Loses Auge wieder annähen
Verankerung im Nacken, Puppennadel und was bei Kleinkindern gilt.
Eine aufgeplatzte Naht ist die häufigste Verletzung eines Lieblingsbären und die dankbarste Reparatur überhaupt. Mit dem richtigen Stich sieht man hinterher nichts, und zwar wirklich nichts, weil der Faden vollständig im Inneren der Naht verschwindet.
Rubrik Pflege & Reparatur Lesezeit 8 Minuten Stand August 2026
Sie brauchen eine Nähnadel der Stärke 7 oder 8, starkes Polyestergarn eine Nuance dunkler als das Fell, Stecknadeln und eine spitze Schere. Zuerst wird das Fell aus der Naht nach innen geschoben und die Füllung zurückgestopft, dann werden die Kanten mit Stecknadeln fixiert. Genäht wird im Leiterstich: abwechselnd drei bis fünf Millimeter im Stoffbruch der einen und der gegenüberliegenden Seite. Alle vier bis fünf Sprossen wird der Faden angezogen, dann schließt sich die Naht von selbst. Kein Klebstoff, unter keinen Umständen.
Die Reparatur gelingt oder scheitert am Garn. Nähgarn aus dem Nähkästchen für Baumwollstoffe ist zu schwach: Es hält die Zugkraft nicht aus, die an einer Schulternaht wirkt, wenn ein Kind den Bären am Arm hochzieht.
Vor dem ersten Stich wird der Bär sauber. Nähen Sie nie in einen verschmutzten Bären, denn nach der Reparatur ist die Wäsche unproblematisch, vorher ist es die offene Naht nicht. Wenn er ohnehin gewaschen werden muss, schließen Sie die Naht provisorisch mit ein paar weiten Stichen, waschen ihn und arbeiten danach sauber, siehe Teddybär waschen.
Schieben Sie mit der Nadelspitze das Fell an beiden Kanten nach innen in die Naht hinein. Das ist der Schritt, den alle auslassen, und er entscheidet über das Ergebnis: Eingenähtes Fell ergibt eine harte, sichtbare Wulst. Freigelegtes Fell legt sich hinterher über die Naht und macht sie unsichtbar.
Stopfen Sie die Füllung mit einem stumpfen Stäbchen zurück und verteilen Sie sie so, dass die Form wieder stimmt. Prüfen Sie die Festigkeit im Vergleich zur gegenüberliegenden Seite. Fehlt Material, ergänzen Sie es jetzt mit etwas Polyester-Hohlfaser.
Legen Sie die beiden Stoffkanten so aneinander, wie sie ursprünglich lagen, und stecken Sie sie quer zur Naht mit Stecknadeln fest. Bei einer langen Naht setzen Sie alle zwei Zentimeter eine Nadel.
Nehmen Sie den Faden einfach, etwa 50 Zentimeter lang, und machen Sie einen Knoten. Stechen Sie einige Zentimeter neben dem Nahtende von außen ein, führen Sie die Nadel durch die Füllung und lassen Sie sie am Anfang der offenen Naht wieder austreten. Ein leichter Zug zieht den Knoten durch den Stoff ins Innere, wo er verschwindet.
Stechen Sie genau gegenüber in den Stoffbruch der anderen Seite ein und drei bis fünf Millimeter weiter wieder heraus. Der Faden liegt jetzt wie eine Sprosse quer über der Öffnung, und zwar innerhalb der Bruchkante, nicht auf dem Stoff.
Wechseln Sie nun immer zur gegenüberliegenden Seite, immer im Stoffbruch, immer drei bis fünf Millimeter lang. Es entsteht das Bild einer Leiter. Bei dickem Plüsch dürfen die Stiche etwas länger sein, bei feinem Stoff kürzer.
Ziehen Sie den Faden vorsichtig an, bis sich die Kanten berühren. Die Sprossen verschwinden dabei komplett im Inneren. Nicht zu fest ziehen, sonst kräuselt sich die Naht. Arbeiten Sie so bis zum Ende der Öffnung.
Niemals Klebstoff
Textilkleber und Sekundenkleber wirken auf den ersten Blick wie die schnelle Lösung. Sie härten aus, machen den Stoff in einem schmalen Streifen steif und spröde, und beim nächsten Zug reißt das Gewebe direkt neben der Klebestelle ein. Aus einer Naht von fünf Zentimetern wird so ein Riss von zwölf. Dasselbe gilt für Bügelflicken auf Plüsch: Die Hitze schädigt den Flor, und die Klebeschicht löst sich in der Wäsche.
Der letzte Schritt entscheidet darüber, ob die Reparatur ein Jahr hält oder eine Woche. Setzen Sie am Ende der Naht zwei kleine Rückstiche exakt in die geschlossene Naht hinein, sodass sie im Stoffbruch liegen. Stechen Sie danach die Nadel noch einmal ein, führen Sie sie drei bis vier Zentimeter durch die Füllung und lassen Sie sie an einer unauffälligen Stelle austreten.
Ziehen Sie den Faden leicht an, schneiden Sie ihn dicht am Stoff ab und lassen Sie ihn los. Das Fadenende zieht sich in die Füllung zurück und ist verschwunden. Zum Schluss fahren Sie mit der Nadelspitze über die Naht und kämmen die Fellhaare heraus, die noch eingeklemmt sind. Danach sieht man nichts mehr.
Ein Loch mitten in der Fläche lässt sich nicht mit dem Leiterstich schließen, weil es keine zwei Bruchkanten gibt. Hier arbeiten Sie mit einem Flicken von innen: Schneiden Sie ein Stück festen Stoff zu, das an allen Seiten mindestens einen Zentimeter größer ist als das Loch, schieben Sie es durch die Öffnung unter den Stoff und nähen Sie es mit kleinen Stichen von außen fest. Anschließend werden die Lochränder mit einem engen Überwendlichstich auf dem Flicken befestigt. Über dem Ergebnis lässt sich der Flor auskämmen, sodass er die Stelle überdeckt.
Ein abgerissenes Ohr wird zuerst ausgerichtet: Fotografieren Sie den Bären von vorn und markieren Sie die Stelle mit Stecknadeln, bevor Sie nähen, sonst sitzt das Ohr schief und man sieht es für immer. Genäht wird mit dem Leiterstich rund um die Ohrbasis, das Ohr wird dabei in die Kopfnaht eingesetzt und nicht aufgesetzt.
Mürber Stoff ist der Grenzfall. Wenn das Trägergewebe an mehreren Stellen bei leichtem Zug nachgibt, hält keine Naht mehr, weil der Faden neben der Naht ausreißt. Hier hilft nur, den Bereich von innen mit einem dünnen Vlies oder einem feinen Baumwollstoff zu unterlegen und großflächig zu befestigen. Bei alten Bären mit Sammlerwert ist das der Punkt, an dem man aufhört und fragt, siehe Altes Fell trocken auffrischen.
| Schaden | Technik | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Naht an Schulter oder Hüfte offen | Leiterstich, Garn doppelt geführt | Hier wirkt die größte Zugkraft. Lieber zwei Durchgänge nähen als einen. |
| Rückennaht offen | Leiterstich | Die einfachste Reparatur überhaupt, weil die Naht gerade verläuft. |
| Loch in der Fläche | Flicken von innen, Ränder überwendlich befestigen | Flicken großzügig zuschneiden, Flor darüber auskämmen. |
| Ohr ab | Leiterstich rund um die Ohrbasis | Position vorher mit Stecknadeln und einem Foto prüfen. |
| Pfotenballen ausgerissen | Neuen Ballen aus Filz zuschneiden und einsetzen | Als Schablone dient der Ballen der anderen Pfote. |
| Stoff mürbe, reißt neben der Naht | Von innen unterlegen und großflächig befestigen | Bei Sammlerbären besser abgeben als improvisieren. |
Eine Reparatur ist erst fertig, wenn sie sicher ist. Prüfen Sie zum Schluss drei Dinge: Ist irgendwo ein Fadenende länger als ein Zentimeter stehen geblieben? Sitzt eine Stecknadel noch im Bären, weil Sie eine übersehen haben? Und hält die Naht dem Test stand, bei dem Sie mit spürbarer Kraft an beiden Seiten ziehen?
Zählen Sie am Ende Ihre Stecknadeln. Das klingt pedantisch und ist der Grund, warum in Nähschulen so darauf bestanden wird: Eine vergessene Nadel in einem Kuscheltier ist die gefährlichste Folge einer gut gemeinten Reparatur.
Wenn bei der Gelegenheit auch ein Auge wackelt, erledigen Sie das im selben Durchgang, bevor der Bär zurückgeht. Die Anleitung dazu steht unter Loses Auge wieder annähen. Und wenn der Bär gerade offen ist, ist es der ideale Zeitpunkt, eine alte, muffige Füllung zu tauschen, siehe Der Bär riecht trotz Wäsche.
Der Leiterstich, auch Matratzenstich genannt. Er wird von außen gearbeitet, verläuft abwechselnd im Stoffbruch beider Kanten und verschwindet vollständig im Inneren, sobald man den Faden anzieht. Ein einfacher Überwendlichstich hält zwar, ist aber deutlich sichtbar.
Starkes Polyester-Nähgarn, Knopflochgarn oder Beilaufgarn, farblich eine Nuance dunkler als das Fell. Feines Baumwollgarn reißt an Schulter- und Hüftnähten, weil dort die größte Zugkraft wirkt.
Nein. Textil- und Sekundenkleber härten aus, machen den Stoff spröde, und beim nächsten Zug reißt das Gewebe direkt neben der Klebestelle ein. Aus einem kleinen Schaden wird so ein großer. Das gilt auch für Bügelflicken auf Plüsch.
Mit einem Flicken von innen. Ein Stück festen Stoff zuschneiden, das rundum mindestens einen Zentimeter größer ist als das Loch, durch die Öffnung unterschieben, von außen mit kleinen Stichen befestigen und die Lochränder eng überwendlich auf dem Flicken vernähen. Danach den Flor darüber auskämmen.
Grundsätzlich vorher, weil eine offene Naht in der Waschmaschine größer wird und Füllung austritt. Der praktische Weg: Naht provisorisch mit weiten Stichen schließen, waschen, vollständig trocknen lassen und danach sauber im Leiterstich arbeiten.
Verankerung im Nacken, Puppennadel und was bei Kleinkindern gilt.
Warum eine offene Naht vor der Wäsche geschlossen gehört.
Wann Sie bei einem alten Bären besser aufhören und fragen.